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Pressemitteilungen 2020



erstellt am: 16.01.2020

Bayerische Kinderärzte, Ärzteverbände und Wissenschaftler fordern:
Kein Sponsoring des Tierparks Hellabrunn durch Coca-Cola und Nestlé Schöller!


München, 17. Januar 2020 In einem offenen Brief fordern der Bayerische Landesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), die wissenschaftliche Fachgesellschaft Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), die Deutsche Diabetes-Stiftung (DDS) und Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) sowie der Technischen Universität München (TUM) den Betreiber des Tierparks Hellabrunn bei München auf, Sponsoringverträge mit den Herstellern nachweislich gesundheitsgefährdender Produkte zu beenden. Auf zahlreichen Schautafeln im Zoo ist Werbung für den Softdrinkhersteller Coca-Cola und die Eismarke Nestlé Schöller zu finden. „Familien sollten nicht zum Konsum übergewichts¬fördernder Produkte animiert werden. Kinder und Jugendliche müssen vor solchen gesundheitsschädigenden Werbeeinflüssen geschützt werden“, so Pädiaterin Dr. med. Brigitte Dietz, stellvertretende Landesvorsitzende des BVKJ in Bayern.

„Softdrinks und Süßwaren fördern die Entwicklung von starkem Übergewicht (Adipositas) und Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die von diesen Krankheiten betroffen sind, ist in Deutschland in den letzten 30 Jahren stark angestiegen. Ein Grund dafür ist, dass solche energiedichten, aber nährstoffarmen Produkte allgegenwärtig verfügbar sind und und intensiv beworben werden - direkt an Kinder und ihre Eltern.“, so Dr. med. Brigitte Dietz.

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Getränke- und Lebensmittelwerbung Marken-präferenzen bei Kindern beeinflussen und insgesamt die Kalorienaufnahme erhöhen.1 Die Weltgesundheitsorganisation, Ärzteverbände, wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaften und Gesundheitsorganisationen empfehlen daher, Kinder und Jugendliche vor Werbung für übergewichtfördernde Lebensmittel zu schützen.2,3

In dem offenen Brief fordern nun die bayerischen Kinder- und Jugend¬ärzte gemeinsam mit den in München ansässigen Organisationen DAG und DDS sowie WissenschaftlerInnen der LMU und TUM Tierpark-Direktor Rasem Baban und die Aufsichtsratsvorsitzende des Tierparks, Bürgermeisterin Christine Strobl, auf, die Sponsoring-Verträge möglichst zeitnah zu beenden. Darüber hinaus sollten zukünftige Sponsoring-Verträge die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation für verantwortungsvolles Kindermarketing berücksichtigen, so die gemeinsame Forderung an den Tierpark.

„Die negativen gesundheitlichen Folgen eines übermäßigen Konsums von Softdrinks und Süßwaren sind wissenschaftlich gut belegt. Der Tierpark sollte seiner Verantwortung für die Gesundheit seiner jungen Besucher nachkommen und nicht für solche Produkte werben.“, empfiehlt Prof. Dr. med. Hans Hauner, Vorsitzender der Deutschen Diabetes Stiftung und Leiter des Instituts für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München.

„Übergewicht und Adipositas sind schon im Kindesalter ein häufiges Problem, mit oft gravierenden Folgen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen. An Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel und Getränke konterkariert unsere Bemühungen für eine gesündere Ernährung.“, ergänzt Dr. med. Brigitte Dietz, stellvertretende Landesvorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte und niedergelassene Pädiaterin in Taufkirchen bei München.

„Der Tierpark Hellabrunn tut sicher alles, um seine Tiere nachhaltig gesund zu halten – aber auch die Gesundheit seiner kleinen Kunden sollte ihn interessieren. Die Förderung ungesunden Konsums durch Werbung ist kein verantwortungsvolles Kindermarketing. Der Tierpark Hellabrunn sollte diese Kooperationen beenden.“, legt Professorin Dr. Martina de Zwaan, Präsidentin der Deutschen Adipositas Gesellschaft, den Betreibern nahe.

„Es liegt in unser aller Verantwortung, Lebensbedingungen zu schaffen, die ein gesundes Aufwachsen von Kindern so leicht wie möglich machen. Auch der Tierpark Hellabrunn sollte seinen Teil hierzu beitragen.“ Bekräftigt auch Professorin Dr. Eva Rehfuess, Public Health Expertin an der Pettenkofer School of Public Health der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Der Offene Brief liegt dieser PM als Anlage bei.

Kontakt:
Dr. Stefanie Gerlach
Pressesprecherin
Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG)
Tel: 030 201 677 14
Email: pressestelle@adipositas-gesellschaft.de

Dr. med. Brigitte Dietz
Pressesprecherin und Stellvertretende Landesvorsitzende
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.v. (BVKJ), Landesverband Bayern
Tel: 089 614 180 30
E-Mail: dietz.deisenhofen@t-online.de

Quellenangaben

  1. Sadeghirad B, Duhaney T, Motaghipisheh S, et al. Influence of unhealthy food and beverage marketing on children's dietary intake and preference: a systematic review and meta-analysis of randomized trials. Obesity 2016 doi: 10.1111/obr.12445
  2. Schaller K, Effertz T, Gerlach S, et al. Prävention nichtübertragbarer Krankheiten – eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. 2016.
    www.dank-allianz.de/files/content/dokumente/DANK-Grundsatzpapier_ES.pdf
  3. World Health Organization. Set of recommendations on the marketing of foods and non-alcoholic beverages to children 2010 [Available from:
    https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/44416/9789241500210_eng.pdf
Weitere Quellenangaben finden sich in dem begleitend veröffentlichten Offenen Brief.





Offener Brief an den Münchener Tierpark Hellabrunn

Das Sponsoring des Tierparks durch Coca-Cola und Nestlé Schöller


München, Januar 2020

Sehr geehrter Herr Tierpark-Direktor Rasem Baban,
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende Christine Strobl,

Der Tierpark Hellabrunn ist eines der beliebtesten Ausflugsziele für Familien mit Kindern in München und darüber hinaus. Der Tierpark schafft Verständnis und Begeisterung für den Tier-, Arten- und Umweltschutz und leistet damit einen wichtigen Beitrag für die Bildung nachwachsender Generationen. Als weltweit erster Geopark mit einer großzügigen, nach geographischen Prinzipien organisierten Zooanlage im Grün des Münchener Auwalds, bietet er einen stadtnahen Erlebnisraum, in dem Kinder und Jugendliche Freude an Bewegung im Freien erfahren können.

Vor diesem Hintergrund erfüllt uns mit großer Sorge, dass der Tierpark Hellabrunn einen Sponsoring-Vertrag mit den Herstellern von Produkten eingegangen ist, welche die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen bei übermäßigen Konsum nachweislich gefährden. Seit der Umgestaltung des Tierparks ist auf einer Vielzahl von Schautafeln im Zoo Werbung für den Softdrinkhersteller Coca-Cola und die Eismarke Nestlé Schöller zu finden.

Die schädlichen gesundheitlichen Wirkungen von Softdrinks und Süßwaren sind wissenschaftlich gut belegt.1 2 Der regelmäßige Konsum dieser Produkte fördert die Entwicklung von starkem Übergewicht (Adipositas), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Herz-Kreislauferkrankungen.1 Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die von diesen Krankheiten betroffen sind, ist in Deutschland in den letzten 30 Jahren stark angestiegen3 – nicht zuletzt aufgrund der allgegenwärtigen Verfügbarkeit von und Werbung für Softdrinks und Süßwaren.2 4

Die Weltgesundheitsorganisation und zahlreiche wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaften und Ärzteverbände empfehlen daher, dass Softdrinks und Süßwaren nicht gegenüber Kindern und Jugendlichen beworben werden.5 6 Dies schließt Marketingaktivitäten an Orten mit ein, welche hauptsächlich von Familien mit Kindern besucht werden – so wie dem Tierpark Hellabrunn. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Getränke- und Lebensmittelwerbung nicht nur Markenpräferenzen beeinflussen, sondern auch eine erhöhte Kalorienzufuhr bewirken.7 8 Eine Abwälzung der Verantwortung für Konsumentscheidungen auf die Eltern ist unbefriedigend, da Werbetreibende bewusst die Macht des Quengelns (pester power) nutzen, um über Kinder das Verhalten der Eltern zu beeinflussen.9

Wir bitten Sie daher eindringlich, Ihrer Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlergehen der jungen Besucher des Tierparks Hellabrunn nachzukommen, und die Sponsoring-Verträge mit Coca-Cola und Nestlé Schöller so zeitnah wie möglich zu beenden. Des Weiteren bitten wir Sie, bei zukünftigen Sponsoring-Verträgen die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation für die Bewerbung ungesunder Produkte gegenüber Kindern zu berücksichtigen.5 10

Wir zählen auf Ihr Verständnis und verbleiben hochachtungsvoll.

Für die Deutsche Adipositas Gesellschaft, München: Prof. Dr. med. Jens Aberle, Prof. Dr. Dr. Anja Bosy-Westphal, Prof. Dr. med. Matthias Blüher, Prof. Dr. med. Stefan Ehehalt, Prof. Dr. Stefan Engeli, Dr. oec. troph. Stefanie Gerlach, Prof. Dr. med. Martin Wabitsch, PD Dr. med. Susanna Wiegand, Prof. Dr. med. Martina de Zwaan

Für die Deutsche Diabetes Stiftung, München: Prof. Dr. med. Hans Hauner, Prof. Dr. med. Rüdiger Landgraf

Für den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V., Landesverband Bayern: Dr. med. Brigitte Dietz, Dr. med. Martin Lang, Phillip Schoof

Quellenangaben:
  1. Ezzati M, Riboli E. Behavioral and Dietary Risk Factors for Noncommunicable Diseases. New England Journal of Medicine 2013;369(10):954-64. doi: doi:10.1056/NEJMra1203528
  2. Peeters A. Obesity and the future of food policies that promote healthy diets. Nature Reviews Endocrinology 2018 doi: 10.1038/s41574-018-0026-0
  3. Schienkiewitz A, Brettschneider A-K, Damerow S, et al. Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends Journal of Health Monitoring 2018;3(1):16.
  4. Swinburn BA, Sacks G, Hall KD, et al. The global obesity pandemic: shaped by global drivers and local environments. The Lancet 2011;378(9793):804-14.
  5. WHO. A framework for the implementation of the set of recomendations on the marketing of foods and non-alcoholic beverages to children: WHO, 2012.
  6. Schaller K, Effertz T, Gerlach S, et al. Prävention nichtübertragbarer Krankheiten – eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. 2016. www.dank-allianz.de/files/content/dokumente/DANK-Grundsatzpapier_ES.pdf.
  7. Sadeghirad B, Duhaney T, Motaghipisheh S, et al. Influence of unhealthy food and beverage marketing on children's dietary intake and preference: a systematic review and meta-analysis of randomized trials. Obesity reviews : an official journal of the International Association for the Study of Obesity 2016 doi: 10.1111/obr.12445 [published Online First: 2016/07/19]
  8. Boyland EJ, Nolan S, Kelly B, et al. Advertising as a cue to consume: a systematic review and meta-analysis of the effects of acute exposure to unhealthy food and nonalcoholic beverage advertising on intake in children and adults. The American journal of clinical nutrition 2016;103(2):519-33. doi: 10.3945/ajcn.115.120022 [published Online First: 2016/01/23]
  9. McDermott L, O’Sullivan T, Stead M, et al. International food advertising, pester power and its effects. International Journal of Advertising 2006;25(4):513-39. doi: 10.1080/02650487.2006.11072986
  10. World Health Organization. Set of recommendations on the marketing of foods and non-alcoholic beverages to children 2010 [Available from: https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/44416/9789241500210_eng.pdf?sequence=1.


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