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erstellt am: 15.03.2017

Adipositas-Gesellschaft zum Welt-Verbrauchertag 2017:
Drei verbraucherpolitische Forderungen zur Eindämmung der Adipositas-Epidemie
München, den 15. März 2017 Keine Trendwende in Sicht – auch in Deutschland grassieren Übergewicht und schweres Übergewicht (Adipositas) weiter1-4. „Die Politik muss Verbraucher in der gesunden Lebensmittelwahl effektiver unterstützen!“, fordert der Präsident der Deutschen Adipositas–Gesellschaft (DAG), Professor Dr. med. Matthias Blüher. WHO und Vereinte Nationen drängen seit langem auf die Umsetzung verhältnispräventiver Maßnahmen, die das Lebensumfeld der Menschen gesünder machen, damit es ihnen leichter fällt, gesunde Entscheidungen zu treffen5. Doch in Deutschland wird der Ball immer wieder an die Verbraucher zurückgespielt, die scheinbar einfache Lösung heißt, jeder einzelne solle „einfach“ gesünder essen und sich mehr bewegen4. „Drei effiziente verbraucherpolitische Maßnahmen können einen wertvollen Beitrag zur Eindämmung der Adipositas-Epidemie leisten: Erstens sollte die Mehrwertsteuer umstrukturiert werden – Ungesunde Lebensmittel sollten teurer (19% MWST), gesunde sollten günstiger werden (0% MWST), zweitens sollte das Minderjährgen-Marketing für adipogene Lebensmittel unterbunden werden, drittens brauchen wir endlich eine leicht verständliche Nährwert­kennzeichnung auf der Vorderseite vorverpackter Lebensmittel, auf der Basis neutraler Gewichtseinheiten.“ so Blüher.

Ungesunde Ernährung ist ein wichtiger verhaltensabhängiger Risikofaktor für Adipositas und andere chronische Erkrankungen. Daraus wird häufig der Schluss gezogen, dass durch Appelle an den Einzelnen, sich gesund zu ernähren, ein wesentlicher Teil der Krankheitslast vermeidbar sei. Unberücksichtigt bleibt jedoch, dass die Produktauswahl stark von sozialen, kulturellen und ökonomischen Rahmen­bedingungen und auch der Dominanz der Anbieterseite geprägt ist (Angebots­struktur global operierender Konzerne, Preisstruktur adipogener Lebensmittel, Kommunikations- und Werbemaßnahmen). Deshalb sind Präventionsmaßnahmen besonders empfehlenswert, die diese Rahmenbedingungen so verändern, dass es für Menschen leichter wird, gesunde Entscheidungen zu treffen (Verhältnisprävention)5.

Maßnahmen der Verbraucherpolitik sollten unter Berücksichtigung der enormen volkswirtschaftlichen Kostenlast chronischer Krankheiten einen gesellschaftlichen Inter­essen­ausgleich erwirken, der

  • auch sozial Schwächeren den Zugang zu gesunden Lebensmitteln erleichtert
  • die Verbreitung gesunder Schulernährung fördert
  • das Angebot von Lebensmitteln mit gesundheitsförderlichen Nährwertprofilen erhöht und das Angebot energiedichter Lebensmittel verringert
  • Verbraucher, insbesondere minderjährige, nicht durch Werbemaßnahmen dazu verleitet, mehr energiedichte Lebensmittel zu konsumieren
Die Deutsche Adipositas- Gesellschaft empfiehlt folgende
Drei verbraucherpolitische Maßnahmen zur Eindämmung der Adipositas-Epidemie:
  1. Umstrukturierung der Mehrwertsteuer
    Ungesunde Lebensmittel sollten teurer (19% MWST), gesunde sollten verbilligt werden (0% MWST).
    „Familien in Europa sind heute alleine nicht mehr in der Lage, ihre Kinder ohne Unterstützung der Politik vor dem grassierenden Übergewichtsproblem zu schützen6. Die DAG befürwortet deshalb grundsätzlich das Ziel von Ernährungsminister Schmidt, in der kommenden Legisla­turperiode die Mehrwertsteuer für die Schulernährung auf Null zu setzen7.“, erläutert Blüher. „Wir empfehlen jedoch, den Erlass der Mehrwertsteuer an die nachhaltige Umsetzung der DGE-Qualitätskriterien für Schulernährung zu knüpfen, um damit einen ökonomischen Anreiz und einen Wettbewerbsvorteil für die Anbieter gesunder Schulernährung zu schaffen“, so Adipositasexperte Blüher.
  2. Verbot der an Minderjährige gerichteten Werbung für adipogene Lebensmittel, incl. Getränke5,8, auf der Basis der WHO-Nährwertprofile9.
  3. Leicht verständliche Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite vorverpackter Lebensmittel“, z.B. ein Ampelsystem auf der Basis der WHO-Nährwertprofile9.
    Die DAG lehnt ein portionsbasiertes System der Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite von Verpackungen, wie es kürzlich von sechs Industriegiganten vorgeschlagen worden ist10, ab. „Das mündet regelmäßig in Verbrauchertäuschung! Die Portionen werden so klein gerechnet, dass die kritischen Inhaltsstoffe Zucker, Salz, gesättigte Fette sowie die Kalorien so klein aus­sehen, dass Verbraucher sie unverdächtig finden. Dass sie selber ganz andere Portionen essen, als auf den Verpackungen angegeben, ziehen Sie nicht in Betracht. Wer wiegt auch schon seine Nahrung ab? Eine portionsbasierte Ampelkennzeichnung ist daher völlig ungeeignet zum Verbraucherschutz - nur dazu geeignet, um weiterhin im großen Stil Ungesundes unter die Leute zu bringen.“, erläutert Blüher.
Quellen:
  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 13. Ernährungsbericht (2016)
  2. Schmechtig, N; Hähne, C et al. (2012): Veränderungen des Körpergewichts und Körperbildes von Kindern und Jugendlichen – Entwicklungstrends 2002-2006-2010 in Deutschland. Gesundheitswesen 74(Suppl 1): S25-32
  3. Börnhorst, C.; Siani, A; Russo, P et al. (2016): Early life factors and heterogeneity … The IDEFICS Study. http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0149268
  4. https://www.facebook.com/Bundesregierung/?hc_ref=PAGES_TIMELINE&fref=nf
  5. Deutsche Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten (DANK) (2015): Den Tsunami der chronischen Krankheiten stoppen. Vier Maßnahmen für eine wirkungsvolle und bevölkerungsweite Prävention http://www.dank-allianz.de/files/content/dokumente/150612_DANK-Strategiepapier.pdf
  6. https://www.euractiv.com/section/health-consumers/news/families-cannot-tackle-childhood-obesity-alone-eu-study-says/
  7. http://www.bmel.de/DE/Ministerium/Gruenbuch/_texte/Vorstellung-Gruenbuch.html
  8. http://www.irishtimes.com/life-and-style/health-family/why-we-need-to-stop-junk-food-advertisers-targeting-kids-online-1.2993468#.WL7fO3xTbYM.facebook
  9. http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0005/270716/Europe-nutrient-profile-model-2015-en.pdf
  10. http://www.foodnavigator.com/Policy/Six-industry-giants-to-launch-UK-style-traffic-light-labels-in-Europe?utm_source=AddThis_facebook&utm_medium=facebook&utm_campaign=SocialMedia#.WMAsh-WagPo.facebook

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